Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat sich in einer aktuellen Stellungnahme zu Ergotalkaloiden für eine Absenkung der Höchstgehalte in bestimmten Getreideprodukten ausgesprochen. 

 

Ergotalkaloide sind toxische Inhaltsstoffe des Mutterkornpilzes (Claviceps spp.), der vor allem in feuchten Jahren sogenante Sklerotien in Getreideähren und Gräsern bilden kann (siehe Foto). Wird das Mutterkorn bei der Vorreinigung des Getreides vor dem Mahlprozess nicht vollständig entfernt, können die Alkaloide ins Mehl gelangen und sowohl akute, aber auch chronische Gesundheitsschäden verursachen.

 

Im Januar 2022 wurden mit der Verordnung (EU) 2021/1399 erstmals europaweit Höchstgehalte für Ergotalkaloide in Getreidemahlerzeugnissen sowie in Getreidekörnern, Weizengluten und Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder festgelegt.  

In einer neuen Expositionsabschätzung kommt das BfR zu dem Ergebnis, dass kurzfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Kindern durch den Verzehr von Roggenprodukten hypothetisch möglich sind, langfristige Effekte jedoch unwahrscheinlich erscheinen.

 

Für Hafer, Getreidebeikost und Weizengluten konnte aufgrund der unzureichenden Datenlage noch keine Bewertung abgegeben werden.

 

Das BfR befürwortet eine Absenkung der Höchstgehalte für Ergotalkaloide für stark ausgemahlene, helle Mehle aus Gerste, Hafer, Weizen und Dinkel sowie für Roggenerzeugnisse. Ob dies auch für Vollkornprodukte und dunkle Mehle empfohlen werden sollte, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.

 

IHR PLUS: Die AGROLAB-Laboratorien untersuchen routinemäßig Getreide, Getreidemahlerzeugnisse und daraus hergestellte Produkte auf die Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte. Wir untersuchen insgesamt 12 Einzelkomponenten* sowie deren Summe mit einer Bestimmungsgrenze von jeweils 0,001 mg/kg.

*Ergocornin, Ergocorninin, Ergocristin, Ergocristinin, Ergokryptin (alpha), Ergokryptinin, Ergometrin, Ergometrinin, Ergosin, Ergosinin, Ergotamin, Ergotaminin

Autor: Dr. Frank Mörsberger