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Die FAO/WHO Expertengruppe empfiehlt Schwellenwerte für die Kennzeichnung von Milch und Sesam und der Europäische Dachverband der Lebensmittelindustrie brachte seine neue Version des Allergenmanagement-Leitfadens heraus.

 

Das Problem bei der Kennzeichnung potentiell allergener Bestandteile in Lebensmitteln sind fehlende, sinnvolle Grenzwerte. Selbst das empfindlichste analytische Verfahren hat immer eine Bestimmungsgrenze, die aus mathematisch-statistischen Gründen niemals bei „0“ liegt. Aber genau das fordert die derzeitige Kennzeichnungsverordnung, was dazu führt, dass Hersteller bei vielen Produkten einen Warnhinweis auf mögliche Spuren von Allergenen anbringen. Trotz sorgfältigster Auswahl und Verarbeitung von Rohstoffen ist es schon aus Produkthaftungsgründen daher üblich, Spurenhinweise anzugeben.

 

Für AllergikerInnen bedeutet das häufig auf das Lebensmittel zu verzichten oder das Risiko selbst abschätzen zu müssen. Gäbe es jedoch definierte Schwellenwerte, die nicht überschritten werden dürfen, wäre die Risikoabschätzung für die betroffenen Menschen leichter. Die Diskussion über die Festlegung solcher Schwellenwerte wird auf vielen Ebenen in multidisziplinären Kreisen geführt. Die FAO Expertengruppe ergänzt in ihrem kürzlich veröffentlichten Kurzbericht für Sesam und Milch als Allergene die folgenden Schwellenwerte (1):

 

Allergen

Referenzdosis (RfD) Empfehlung
(mg Gesamtprotein aus allergieauslösender Quelle)

Milch

2,0

Sesam

2,0

 

Diese Empfehlungen basieren auf Studien, bei denen ermittelt wurde, dass bei diesen Gehalten bei 95% der der Probanden keine Allergiesymptome ausgelöst wurden (ED 05).

Die übrigen bisher veröffentlichten Schwellenwerte für proteinbasierte Lebensmittel finden Sie unter den unten angegebenen Links.2)
Sie haben allerdings erst einmal für die Betroffenen keinen direkten praktischen Nutzen, können aber bei einer zukünftigen Revision der aktuellen EU-Allergen-Kennzeichnungsverordnung eine Grundlage für die Festlegung von Grenzwerten sein.

Umso wichtiger bleibt das Allergenmanagement selbst für die Lebensmittelproduzenten. Daher kommt die Revision des entsprechenden Leitfadens von FoodDrinkEurope 3) - dem europäischen Dachverband der Lebensmittelindustrie - zur richtigen Zeit.

 

IHR PLUS: Die AGROLAB Lebensmittellabore bieten ein umfangreiches Spektrum an akkreditierten Allergentests mittels ELISA und PCR Technologie. Auch die Untersuchung von Oberflächenproben in Form von Tupfern gehören zum Untersuchungsumfang.

 

 

Links: 

 

1): Ad hoc Joint FAO/WHO Expert Consultation on Risk Assessment of Food Allergens

Part 2: Review and establish threshold levels in foods of the priority allergens

Virtual follow-up meeting on milk and sesame
https://www.fao.org/3/cb9312en/cb9312en.pdf

 

2) Ad hoc Joint FAO/WHO Expert Consultation on Risk Assessment of Food Allergens

Part 2: Review and establish threshold levels in foods of the priority allergens

Virtual meeting, 15 March – 2 April 2021
https://www.fao.org/3/cb6388en/cb6388en.pdf

 

3) Guidance on Food Allergen Management for Food Manufacturers

Published: 11/04/2022
https://www.fooddrinkeurope.eu/resource/guidance-on-food-allergen-management-for-food-manufacturers/

 

 

 

 

Autor: Dr. Frank Mörsberger

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